Kleine Schritte wagen
Einsatzbericht aus Weißrussland
„So sind wir nun Botschafter an Christi statt“ (2. Kor.5,20)
Aufgeregt und ein bisschen ängstlich startet unser Team in Richtung Weißrussland. Erste Station ist die Gemeinde in Wolkowysk. Gemeinsam mit Pavel Petrovic, Pastor der Ortsgemeinde, und Anatoli Brutskij, Leiter der Bibel-Mission Minsk, besuchen wir ein Kinderheim. Hier leben 8 Kinder, alle aus Familien mit schwierigen sozialen Verhältnissen. Im Heim werden die Kinder versorgt, bis sich eine Pflegefamilie(meist aus der Gemeinde) gefunden hat. Pavel erklärt uns, dass gerade Alkohol verbunden mit Arbeitslosigkeit ein enormes Problem in den Familien darstellt. Die Heimleiterin erzählt aus ihrer schwierigen Arbeit. Gut, dass die Gemeinde und die Bibel-Mission hier helfen!
Zu Besuch bei Patenkindern
Dann besuchen wir Familien mit behinderten Kindern, die von der Bibel-Mission unterstützt werden. Es berührt mich zu sehen, in welch armen Verhältnissen z.B. eine Familie mit 3 Kindern in einem einzigen Zimmer bei einer Tante wohnt, die dreijährige Tochter leidet an Muskelschwund und kann ihre Beine nicht mehr bewegen. Auch der Kopf wackelt wie haltlos hin und her. Ich weiß nicht mehr, wie wir alle in diesem Zimmer Platz gefunden haben, aber an das Leuchten in den Augen des kranken Kindes über das mitgebrachte Geschenk kann ich mich gut erinnern. Nach drei Familienbesuchen bin ich von der Not der Menschen erschöpft.
Die Betreuerin der Patenkinder absolviert an manchen Tagen 40 Hausbesuche, verteilt Lebensmittel und Kleidung für die Kinder, hat ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte. Hier, wo Behinderte keine Förderung und Ausbildung bekommen und hinter verschlossenen Türen verschwinden, ist diese Arbeit Dienst am Nächsten.
Kinderheim familiärer Art
Wir besuchen Sergej und Tanja Litwinko in Saslavel. Hier findet unser Arbeitseinsatz statt, der Bau eines Stallgebäudes für eine kleine Viehwirtschaft. Sergej erzählt uns von der Entscheidung, Kinder nicht nur in den Ferien, sondern ständig als Pflegekinder bei sich aufzunehmen. Jedes Kind hat sich persönlich für diese Familie entschieden. So leben heute Nikita (16), Sergej (15), Ruslan (12), Matfej (10), Sascha (11), Wowa (14), Wadim (14), Sima (8), Arina (5) und Polliana (2) hier. Sascha, der erst vor einem halben Jahr dazukam, hat mit 5 Jahren geraucht und war mit 9 auf Alkoholentzug. Mit großer Freude sehe ich diesen fröhlichen und gesunden Jungen heute, die Familie bietet einen enorm wichtigen Schutzraum. Und erneut bin ich bewegt von der selbstlosen Hingabe dieser Menschen.
Kleine Taten bewirken viel
Unsere letzte Station ist die Gemeinde in Grodno. Der Pastor berichtet von seiner Arbeit mit behinderten Kindern und von den Kinder-Sommerfreizeiten, die für alle Teilnehmer eine große Bereicherung sind. Auch viele Eltern haben sich durch diesen Dienst bekehrt und der Gemeinde angeschlossen.
Alles, was ich für ein einzelnes Kind tun kann, mag wie ein Tropfen auf den heißen Stein aussehen, aber es bedeutet für dieses Kind eine große Veränderung! Kleine Schritte wagen! Wenig konnte ich geben, doch ich habe viel bekommen. Herzlichen Dank, dass dieser Einsatz möglich wurde!
Wiebke Sundermeier
Gemeinde Wasbüttel
